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“Ein Drama für die Wertinger Jugend” (Wertinger Zeitung)
Wertingen Das Wertinger Jugendzentrum steht „auf der Kippe“. So jedenfalls sehen es die jungen Leute um Stadtjugendpflegerin Petra Kutter, die seit sieben Jahren das Juze betreut. Grund für die Befürchtung ist der drohende Abriss des Gebäudes in der Augsburger Straße, in dem die Jugendlichen untergebracht waren. Das Haus ist seit über einem Jahr geschlossen, weil die Wände schimmeln - der Juze-Betrieb wurde provisorisch mit einem Beratungsbüro im Familienzentrum der Arbeiterwohlfahrt in der Kanalstraße aufrecht erhalten.
Nachdem der Besitzer nun angekündigt hat, das Haus an der Augsburger Straße wegen zu hoher Sanierungskosten womöglich abzureißen, herrscht Ratlosigkeit. Das vergangene halbe Jahr suchten alle Beteiligten nach einer neuen Bleibe - eine solche wurde auch zunächst gefunden. Mit dem Besitzer der leer stehenden ehemaligen „Hollywood“-Lokalität, früher „La Legere“ in der Augsburger Straße, wurde verhandelt. Der Plan, dort ein neues Juze einzurichten, wurde jedoch wieder verworfen, nachdem der Besitzer nur einen fünfjährigen Mietvertrag angeboten hatte.
Stadtjugendpflegerin und Jugendliche arbeiteten unterdessen an einem neuen Konzept für ein Juze. Kutter: „Seit der Schließung war klar, dass ein neues Juze auch in den sanierten Räumen eine neue Zielsetzung braucht“. Die Jugendlichen hatten sich dabei an einem zehnjährigen Mietvertrag orientiert und vorgestellt, das Haus künftig als „Jugendkulturcafé“ zu führen. „Wir hätten die Räume entsprechend hergerichtet - es wäre ein Komplettumbau des alten Juze gewesen“, so Petra Kutter. Nun aber, da das Haus womöglich nicht mehr als Juze genutzt werden oder sogar abgerissen werden soll, seien alle Pläne hinfällig, bedauert Kutter, die inzwischen von einem „Drama für die Wertinger Jugend“ spricht. Die jungen Leute stünden auf der Straße, ein neuralgischer Treffpunkt sei am Zusambrückle hinter dem Autohaus Ohnheiser, wo sich die Jugendlichen sammeln - „eine schlechte Situation“, so Kutter, da sich dort jüngere und ältere Jugendliche in die Quere kommen würden.
„Wir haben das letzte Jahr immer versucht, den Betrieb irgendwie aufrecht zu erhalten“, spricht Kutter von Aktionen wie den Sportnächten in der Gymnasiums-Turnhalle. Dennoch - der eigentliche Juze-Betrieb, der freie Jugendtreff, sei ohne Räume nicht mehr möglich.
Auch Ayla Mayer, früheres Vorstandsmitglied des Juze e.V. fürchtet um die Wertinger Jugend: „Offene Jugendarbeit kann so nicht stattfinden. Wir machen einen Rückschritt, wenn jetzt nichts geschieht, wir müssen mit der Jugendarbeit wieder bei Null anfangen“. Hintergrund von Mayers Aussagen ist die derzeitige Diskussion um die stundenweise Anstellung der Stadtjugendpflegerin - ein Thema, zu dem diese sich nicht selbst äußern will und darf.
Der Jugendreferent des Stadtrates, Mathias Buhl, kennt die Sachlage. Der Besitzer des alten Juzes an der Augsburger Straße habe sich bisher nicht eindeutig geäußert, ob er das Gebäude sanieren oder abreißen wolle. „Bisher gibt es noch keinen Abrissantrag“, sagt Buhl, der sich vor Kurzem im Rathaus danach erkundigt hatte. „Fakt ist, wir haben immer noch einen Vertrag mit dem Hausbesitzer an der Augsburger Straße“, so Buhl.
Vorsorglich hat aber auch der Jugendreferent sich schon mal in alle Richtungen umgehört, wo ein neues Juze eine Bleibe finden könnte. „Gut wäre ein älteres Haus mit Garten im Stadtgebiet, das die Jugendlichen für ihre Zwecke gestalten könnten“. Doch solche Gebäude seien rar. Auch Buhl weiß, dass die Zeit drängt, um die Jugendarbeit aufrecht zu erhalten: „Wir müssen jetzt mit Hochdruck nach einem Haus schauen“, appelliert er auch an die Bürger, sich mit nach einer neuen Bleibe für die Jugendlichen umzusehen.
